Sicherheit

Wie gefährlich ist das Kitesurfen?

Vom Kamikazesport zum Trendsport

Ende der 1990er Jahre, als sich das Kitesurfen gerade entwickelte, war dieser Sport ein riskantes Abenteuer. Man war fest eingehängt in seinen Zweileiner-Kiteschirm, welcher keine Depowermöglichkeit besaß. Böen konnte man nur über das Board ausbremsen.

Anfang dieses Jahrzehnts kamen dann die ersten Sicherheitssysteme und Vierleiner-Kites auf den Markt. Aufgrund der noch mäßigen Depowerfähigkeiten waren die Schirme aber bei starken Böen und Verwirbelungen immer noch schwer kontrollierbar.

Kitesurferin

Die Entwicklung des Bow-Kites im Jahr 2005 hat den Sport dann nochmals revolutioniert. Durch die extreme Depowerfähigkeit kann man nun auch extreme Windstöße abfangen – bei einem gleichzeitig verbessertem Lowend und Relaunch-Verhalten. Das Kitesurfen ist dadurch erheblich sicherer und komfortabler geworden.

Mittlerweile ist der Sport auch für Männer und Frauen in sehr jungem oder fortgeschrittenem Alter zugänglich und leicht erlernbar. Trotzdem steckt natürlich immer noch ein gewisses Risikopotential im Kitesurfen. Durch eine professionelle Schulung an einer unserer Kitesurfschulen wird dieses aber weitestgehend reduziert.

Sicherheitsregeln

Das Restrisiko beim Kitesurfen lässt sich mit Vernunft reduzieren: Wer unsere zehn Regeln beachtet, wird sich schlimmstenfalls einen Schnupfen holen.

5 Dinge, die du immer machen solltest:

  • Mache auf jeden Fall vor den ersten Kiteversuchen einen Kurs in einer guten Kiteschule. Die 200 Euro sind gut angelegt, weil du ohne professionelle Lernhilfe dein Material schreddern würdest.
  • Übe auch nach dem Kurs noch im stehtiefen Wasser das Fliegen des Kites. Eine gute Kite-Kontrolle ist die beste Garantie für stress- und unfallfreies Kiten. Leg dir dabei – wie später beim Kiten – die Safetyleash an. Sie ist absolute Pflicht.
  • Übe den Bodydrag und spiele alle Stresssituationen durch, vor denen du Angst hast – zum Beispiel das Auf-den-Rücken-gedreht-werden. Übe dann auch das Höhe knüppeln per Bodydrag und ausgestreckter Hand. So lernst du, dein Board bei gerissener Fußleash zu erreichen.
  • Erkundige dich bei anderen Kitern nach den Windverhältnissen und den gefahrenen Kitegrößen. Frage bei der Größenangabe nach, ob die ausgelegte Fläche oder die projizierte Fläche gemeint ist.
  • Kaufe dir eine Bar oder einen Trapezhaken mit Schnellabwurf (Quickrelease) und trainiere die Notsituationen. Der Handgriff zur rettenden Reißleine muss automatisiert sein

5 Dinge, die du nie machen solltest:

  • Auflandiger Wind ist extrem gefährlich. Bei auflandigem Wind niemals im Trapez eingehängt ins Wasser gehen. Jede Böe könnte dich übers Land zerren und gegen Hindernisse schmettern.
  • Bei ablandigem Wind niemals aufs Wasser gehen, wenn du nicht absolut sicher Höhe laufen kannst. Auf jeden Fall immer vorher checken, wer dich im Notfall vom Wasser holen könnte (DLRG-Boot, Schulboote). Gehe nie alleine kiten. Vor allem nicht, wenn der Wind ablandig ist.
  • Gehe nie ohne Handleash aufs Wasser. Fliegt der Kite davon, kann er andere verletzen. Manchmal ist es sinnvoll, die Bar loszulassen, um den Schirm so zu depowern. Mit Leash ist das kein Problem, ohne Leash würde der Kite abtreiben und andere gefährden.
  • Gehe nie in Badegebieten an vollen Stränden kiten. Kalkuliere die Unwissenheit der Leute mit ein und rechne mit dem Schlimmsten. Gerade Kinder sind sehr neugierig und kennen keine Angst.
  • Überschätze deine Fähigkeiten nicht und wähle immer einen Wind-angepassten Kite. Gehe als Anfänger nicht überpowert aufs Wasser. Ignoriere Ratschläge der erfahrenen, ortskundigen Kitesurfer nicht.

© Gerd Kloos/KITE Magazin – alle Rechte vorbehalten

Vorfahrtsregeln

Vorfahrtsregeln

Kiter sind in den Paragrafen unterprivilegiert. Auf dem Meer sind wir dem Schwimmreifen gleichgestellt, auf Binnenseen genießen wir immerhin Segelrechte.

Wenn Kiter anderen Fahrzeugen begegnen, dann müssen sie auf dem Meer ausweichen. Auf Binnenseen geht man im Begegnungsverkehr mit Seglern und Kitern davon aus, dass beide die Regeln kennen:

  • Lee vor Luv
    Der Kiter, der bei gleicher Fahrtrichtung im Windschatten des anderen fährt, hat Vorfahrt
  • Backbordbug vor Steuerbordbug
    Bei Begegnungen hat derjenige, der die rechte Hand vorne an der Bar hat Vorfahrt vor dem, der die linke Hand vorne an der Bar hat
  • Überholer muss sich freihalten
    Überholt der Schnellere in Luv, muss er den Kite höher fliegen, überholt er in Lee, muss der Kite runter

Wenn es dann doch eng werden sollte, leiten Kiter das Manöver des letzten Augenblicks ein: Kite sofort in den Zenit lenken und Hintern ins Wasser. Damit bist du manövrierunfähig und gibst deinem „Gegner“ die Chance, richtig auszuweichen.


© Gerd Kloos/KITE Magazin – alle Rechte vorbehalten

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